Warum habe ich diese Position aufgegeben und bin zum wesentlich größerem Wettbewerbsunternehmen Kenngott Heilbronn gewechselt? Die elfjährige Zusammenarbeit ruhte auf einem sehr soliden Fundament und das war das absolute Vertrauen innerhalb der Geschäftsleitung, sowohl in dienstlicher aber auch in rein privater Hinsicht. Wir waren ein Dreigestirn, dass in den Jahren des Aufbaus, von eine kleinen "Klitsche" einen harten Weg gegangen ist. Sie gaben mir die Gelegenheit, aus einer kleinen Schlosserei, ein Industrie Unternehmen mit 420 Mitarbeitern zu gestalten und zu leiten. Beide ließen mit bedingungslose Freiheit. Der Nachteil dieser Konstellation, dass sie sich immer mehr von dem Unternehmen und seinen Mitarbeiter enfernten. An der Theke ihrer Stammkneipe war, wenn sie nach einigen Promille einem Mitarbeiter etwas versprochen hatten:
"OK, das können wir so machen aber spreche morgen erst mit Gerstenköper!"
Danach bekam ich morgens immer einen Anruf von Kurt:
"Wir haben dem Meier gestern versprochen.....aber das machen wir nicht!"
Wenn der entsprechende Mitarbeiter morgens bei mir vorstellig wurden, mußte ich ihn erklären, warum sein Wunsch nicht im Interesse des Betriebes war. Also übergingen die Mitarbeiter die Gebrüder künftig immer und kamen direkt zu mir. So schlich über die Jahre allmählich gewisses gegenseitiges Misstrauen ein.
32 Jahre - Kurt Schulte
00 Jahre - Bruno Schulte
26 Jahre - Heinz-Dieter Gerstenköper
Standardspruch der beine Gebrüder: "Macht alles unser Herr Gerstenköper!" Ja, und ich habe gemacht, von einem 42-Mann Betrieb in einem Schafstall zum Vorzeige-Unternehmen mit knapp 420 Mitarbeitern, einem Zweigwerk bei Osnabrück und 42 Vertragswerkstätten, sowie die Saturn-Werbeagentur. Da beide Hobby-Jäger waren und für beide ein traumhaftes Jagdgebiet ersteigert. 1978 kam es dazu, dass Kurt Schulte mich ohne Grund aber auf absoluter niederträchtige Art und Weise belogen hat. Ich war derart aufgebracht, dass ich sofort, meine Tasche packte, meine schriftliche Kündigung auf seinen Schreibtisch hinterlegte! Damit hatte er nicht gerechnet. Tagelang verfolgten Kurt und Bruno mich mit "unauffälligen" Leihwagen mit heruntergezogener Hutkrempe. Mit ihren verschiedenen Leihwagen standen Sie stundenlang auf der Augustastraße um heraus zu bekommen, was ich wohl vorhatte. Egal, wo ich hinfuhr, ein Auto aus Brilon verfolgte mich. Dann kam Kurt auf eine ganz perfide Idee, er ließ über einen gemeinsamen Bekannten ausrichten, dass Sie gegen mich Detektivmaterial in der Hand hätten und das sei in meinem Büro in Altenbüren deponiert und dazu hätte ich ja noch einen Schlüssel. Der Bekannte sollte mich überzeugen, dass die Unterlagen leicht beiseite schaffen könnt, da ich ja noch in mein Büro käme. Aufgrund dieses hinterhältigen Versuchs ist mir klar geworden, mit welch miesen Charakteren ich zusammengearbeitet habe. Ein Portion Dummheit war auch zu erkennen. Der treibende Keil war nicht Bruno, dass war ganz klar Kurt. Wenn ich später das eine oder andere Mal durch Brilon kam, bin ich bei Bruno im Werk vorbei gefahren. Es war ein Trauerspiel, er mußte selbst Hand anlegen und im Betrieb arbeiten, in einem Betrieb, der höchstens noch zu 20% ausgelastet war. Ich hatte inzwischen für die Konkurrenz 12 Niederlassungen aufgebaut und für ein nobles Firmenauto, verdiente das doppelte als vorher. Auch auf Kurt bin ich noch einmal getroffen, als ich mit meinem Hund in Brilon beim Tierarzt war. Meiner Frau wollte ich zeigen, welche schmucken Häuser ich für beide im Müggenborn gebaut hatte und als wir dort langsam vorbei fuhren, stießen wir aus einen kleinen Mann, der im grauen Kittel vor dem Haus Dreck fegte. Dieser kleine Mann, war Kurt. Ich konnte nicht mehr vorbei fahren und so sprachen wir durch die heruntergekurbelte Autoscheibe und er bestand darauf, dass wir auf einen Kaffee hereinkommen sollten. Das taten wir auch und er und seine Frau verhielten sich total nett zu uns und wir versprachen noch einmal ohne kranken Hund vorbei zu kommen.
Ich habe Kurt nie wieder gesehen.