Kallenhardt

1941-1948 Die ersten Jahre meines Lebens verbrachte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester Moni in dem Dorf Kallenhardt. Ich bin noch heute froh darüber, dass ich meine Kindheit auf dem Lande verbringen konnte. Es war wunderschön. Wir durften überall herumlaufen, es gab keine Autos, nur einige Trecker und viel Pferde. Wenn mal ein Auto imm Dorf war, dann lief beinahe das ganze Dorf zusammen und man staunte über die Vehikle. Eigentlich gab es nur das Auto von Dr. Scheef, der nette Arzt aus Warstein und den Dienstwagen meines Vaters von den Warsteiner Eisenwerken. Es gab auch nur ganz wenige Männer in dem Dorf, die im Krieg einen Führerschein gemacht hatten und nun aber keine ein Auto hatten. 
 Hanna Aust-Maria Lohn-Bernadine Finger-Heinz-Dieter Gerstenköper-Michael von Fürstenberg-Waltraud Brenner-Friedhelm Kellermann-Walter Schulte-Christa Knapp

Die Jahrgänge 1941 und 1942. Angefangen mit der ersten Reihe von links nach rechts und so weiter. Die Einschulung erfolgte im März 1948. Ein halbes Jahr später zogen wir um nach Suttrop. Ich hätte die Namen nicht mehr alle zusammengebracht. Aber meine, damals allerbeste Freundin Hanna Aust (Ramme), kannte noch jede der damaligen Mitschülerin und jeden Mitschüler. Danke Hanna. Auf dem Foto fehlt noch Doris Tenk, sie war damals krank. Also, erste Reihe von links: Schwarzes Kleid ist Hanna, der Vierte von links, mit dem kritischen Blick, das bin ich und neben mir rechts sitzt Michael von Fürstenberg. Wir saßen auch in der Klasse nebeneinander. Wir waren sehr gute Freunde. Meine Mutter half während des Krieges im Schloss von Fürstenberg im Haushalt, half auf den Feldern und melkte, wenn es seien musste auch die Kühe. (Das Foto ist von Foto Wiemer aus Warstein)
Kallenhardt liegt im Südosten des Kreises Soest am Nordrand des Sauerlandes im Naturpark Arnsberger Wald. Der Ort ist in etwa 430 m Höhe auf einem Hügel erbaut; im Süden steigt das Gelände an der Grenze zum Hochsauerlandkreis bis auf 540 m an. Kallenhardt hat etwa 1.900 Einwohner.

Geschichte: Als kahle Hardt, einen kahlen Hügel, bezeichneten schon die Vorväter die Hochfläche, die wahrscheinlich schon die Germanen als Fliehburg nutzten. 1072 wurde der Ort erstmalig urkundlich erwähnt, und zwar der nördlich der heutigen Siedlung gelegene erzbischöfliche Haupthof Ostervelde, von dem heute noch Spuren zu sehen sind. Zu dem Haupthof Osterfelde gehörten 30 Unterhöfe, eine Kirche und eine Burg auf der Höhe. In einer Fehde zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Bischof Simon I. von Paderborn wurden Osterfelde und die Höfe zerstört, jedoch 1276 vom Erzbischof Siegfried, Köln, neu erbaut und durch den Landmarschall von Plettenberg zu einer Gemeinde erweitert. Der Erzbischof verlieh ihr die Stadtrechte. Von Plettenberg siedelte auch 25 Neubürger an. Jeder erhielt 25 Morgen Acker- und Weideland, dass durch Rodung des Waldes gewonnen wurde. Somit bestand die Stadt 1276 aus 53 Bürgerhäusern, 1548 waren daraus 79 Bürgerhäuser, 1600 dann 72 Häuser, 1656 dann 68 Häuser und 1696 dann 64 Bürgerhäuser geworden. Die Zunahme war also insgesamt gering. Im Übrigen hatte der 30jährige Krieg für einen gewissen Niedergang gesorgt und es herrschten nicht gerade reiche Verhältnisse. Bis 1613 wurde die Stadt auch Ostervelde genannt. Kriege und Brände (wie die Paderborner Fehde 1411 und die Soester Fehde 1447 sowie der große Stadtbrand 1791, bei dem 80 Häuser in Flammen aufgingen) hinterließen aber nicht so tiefe Spuren wie der Verwaltungsakt von 1808: Obwohl die Bevölkerungszahl stetig anstieg (1781 waren es 770, 1854 1016) verlor Kallenhardt die Stadteigenschaft - und wurde als Landgemeinde eingestuft. 1808 fand die letzte Magistratswahl statt. Unter der hessischen Landeshoheit verlor auch die Stadt Kallenhardt ihre alte Selbständigkeit. 1975 wurde durch die Verwaltungsreform die Eigenständigkeit der Gemeindeverwaltung Kallenhardt beendet. Kallenhardt gehört nun zur Stadt Rüthen. Heute: Stolz ist man in Kallenhardt auf die Ergebnisse der Dorferneuerungsmaßnahme. Burgtorstraße, Kirchplatz, Stadtmauer, die Bereiche an der Grundschule und am Alten Rathaus wurden damals wieder in Schuss gebracht. 

Besonders das Rathaus liegt vielen Bewohnern am Herzen. Es ist das älteste Rathaus im Kreis (der Unterbau stammt aus dem 15. Jahrhundert) und eines der ältesten in NRW. Sitzungen und Feiern finden hier statt und hier steht auch das "Trisöreken" - eine große Truhe aus dem 14. Jahrhundert. Es sind keine Industriegebiete ausgewiesen. Darum ist Kallenhardt eher ein ruhiger Wohnort. Keine 10 hauptamtliche Landwirte existieren heute, während es 1950 noch 42 waren. Das Ortsbild prägt die St.-Clemens-Kirche auf der Hügelspitze in 430 Metern über Meereshöhe. Teile des Wehrturmes stammen aus dem 13. Jahrhundert, das Schiff wurde 1722 fertig gestellt. Bei gutem Wetter kann man das Hermannsdenkmal bei Detmold vom Kirchturm aus sehen. 

In unmittelbarer Nähe des Ortes präsentiert sich das Wasserschloss Körtlinghausen. Zwei Bäcker, ein Lebensmittelgeschäft und ein Metzger decken den täglichen Bedarf. Zwei Gasthöfe und ein Romantikhotel gibt es auch noch hier, aber es sind nicht die Masse der Arbeitsplätze. Insgesamt 21 Vereine, darunter auch die Reservistenkameradschaft und das Tambourcorps prägen das gesellschaftliche Leben. Hierzu tragen auch die vierzügige Grundschule und der dreizügige Ganztags-Kindergarten bei. 

Zusammenstellung unter Verwendung folgender Veröffentlichungen: Der Patriot - Nr. 257/2000 v. 4. November 2000 

Unser Wohnhaus
Kirchstraße Nr. 24 - Als wir in dem Haus wohn-ten, war die Haustür noch nach vorne raus. Links oben Elternschlafzimmer und auf der rechten Seite die Wohnküche. Wenige Wochen haben wir vorher noch in einem anderen Haus gewohnt, mit einem wunderbaren Ausblick Richtung Rüthen. Bevor wir in dieses Haus zogen, haben wir kurze Zeit in dem kleinen Häuschen in der "unteren Straße" gewohnt. Im Krieg stand ein amerikanischer Panzer daneben und feuerte immer in Richtung Rüthen. Die Besatzung war total nett zu uns. Für mich und meiner Schwester gab es immer Schokolade. Ihre Verpflegung deponierten sie in unserer Küche und wir durften uns davon nehmen was wir wollten. Meine Mutter kochte jeden Mittag für die Soldaten. Für die Zeit wurde das Schießen eingestellt. Nach dem Essen wurde geraucht und mit uns Kindern auf dem Boden herumgetollt. Und plötzlich, ohne Ankündigung waren sie weg.
90 Meter bis zur Schule
Eben aus der Haustür, da wartete Hanna schon auf mich. Gemeinsam gingen wir den kurzen, aber steilen Weg zur Schule. Die Gespräche morgens waren sehr einseitig. Wer den ersten Satz begann, beendete ihn an der Schultür. Es hatte sich so eingespielt, dass ich der "Redner" auf der Morgentour war und Hanna sprach ab Schulschluss.

Ich habe Hanna erst 10 Jahre später wiedergetroffen, Sie war inzwischen ein sehr hübsches Mädchen gewor-den.

Etwa weitere 20 Jahre später habe ich sie einmal besucht und fand eine vom Schicksal gezeichnete Frau wieder. Wenn ich mich recht erinnere war sie zweimal verheiratet und beide Männer sind in jungen Jahren an Krebs verstorben. Ich hätte gerne einmal mit Ihr darü-ber einmal gesprochen aber ihr Haus war verlassen.
Meine erste Schule
Nach meinen Erinnerungen gab es nur diese eine (kleine) Schule. 1948, zwei Jahre nach unserer Einschulung, wurde die neue, große Schule. In dieser Zeit war ich bereits in Suttrop.

Bevor ich in diese Schule kam, hatte meine Mutter mich im Kindergarten (schräg gegenüber) angemeldet. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Ich fühlte mich in unserem Häuschen völlig wohl. Meine Mutter hat sich viel mit mir beschäftigt. Tagsüber waren wir oft im Schloss Körtlinghausen. Meine Mutter hat als junges Mädchen auf verschieden Bauernhöfen in der Lüne- burger - Heide während der Erntezeit jeweils den Haus-
halt geführt.

In der Nachkriegszeit hat Sie uns durch diese Verbind-ung sehr gut durch die "magere" Zeit gebracht. Es hat uns an nichts gemangelt. 

Die Besatzungszeit beginnt. Amerikaner, Franzosen, Engländer und Russen haben das Sagen!
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